Donnerstag, 16. April 2009

Jeder Augenblick

Gestern war ich fast die ganze Zeit an der frischen Luft (nur kurz unterbrochen von einem Seminar) und habe das schöne Frühlingswetter (inklusive 23 Grad und Vollzeitsonne) genossen. Das schloss eine zweckdienliche Fahrradtour mit Pia nach Deutschland ein, viel gepflegtes Abhängen am Rhein (mit Pia und Annika) und nach einem guten Abendessen mit allen drei Schönheiten (Anne - danke für das süße Osterhäschen!) einen wunderbaren abendlichen Spaziergang durch unser schönes Basel (merci, ma chère Pia!).

Heute ist es wieder etwas kühler geworden. Aber der Tag gestern war so erholsam für die Seele, dass ich wohl ein paar Tage davon zehren kann. Und die ganze Zeit über hatte ich wie einen Refrain für alles ein Gedicht im Kopf, das Markus (1000 Dank dafür) mir vorgestern geschickt hatte. Ich habe das Gefühl, dass es perfekt auf meine derzeitige Gefühlslage passt. Vielleicht ist es eines der kostbaren Stücke Literatur, die immer passen. Jedenfalls möchte ich das Gedicht mit Euch teilen, weil es vielleicht jedem von Euch etwas Ruhe und Gelassenheit in die Seele haucht.

Seid lieb gegrüßt von Eurer Herzblutbaslerin auf Zeit.

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im Nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.

Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr Entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren,
würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr Bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken;
vergiß nicht den jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt
Und weiß, daß ich bald sterben werde.



Jorge Luis Borges

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen