Heute habe ich endlich mal wieder etwas Unnützes dazugelernt. Für einen Vollzeitstudenten ein durchaus erhebendes Erlebnis, ist man es doch gewohnt, alles was man lernt, auf seine Validität, Reliabilität und Falsifizierbarkeit abzuklopfen. Die Sache fing mit (Überraschung!) einer kleinen Küchenparty an. Oder nee, noch früher. Freitagabend rief mich Mutz an, um mir mitzuteilen, in welchem Club sein Kumpel aus Berlin am Samstag auflegen würde. Er hatte mich plus drei auf die Gästeliste setzen lassen (Auch ein erhebendes Gefühl, passiert mir nämlich nicht so wahnsinnig oft, dass ich irgendwo auf der Gästeliste stehe.). Ich fragte Anne, die natürlich spontan zusagte und Lea, meine Mitbewohnerin, die ihrerseits noch eine Freundin, Sina, dazubat. So - jetzt die Küchenparty. Ich hatte vorher noch ein Sixpack "Feldschlösschen" im Erasmus-Lädli (icke würde Späti dazu sagen, aber das versteht hier keener außer Anne) besorgt.
[Kleiner Exkurs für Linguistik- und Bier-Interessierte: In der Schweiz gibt es das "Nationalbier" Feldschlösschen, das mit dem für die Schweiz typischen "ss" geschrieben wird - das "ß" gibt es hier nicht. Jeder dritte in der Schweiz gebraute Liter Bier ist ein Feldschlösschen-Bier. Nicht zu verwechseln ist das Schweizer Feldschlösschen allerdings mit dem Dresdner Feldschlößchen, das sich durch sein schnuckeliges "ß" aber leider nicht unbedingt durch einen guten Geschmack auszeichnet. Es hat auch keinen ganz so bedeutsamen Anteil an der deutschen Gesamt-Bierproduktion. Um das alles herauszufinden, habe ich einige Zeit gebraucht. Und vor allem habe ich mir während der Phase des Unwissens 100 verschiedene, ziemlich krude Theorien ausgedacht, warum ausgerechnet das Schweizer "Nationalbier" im Osten Deutschlands als Billigbier verkauft wird... Das sind eben Dinge, die die Phantasie einer Erasmus-Studentin beflügeln können.]Feldschlösschen schmeckt übrigens ziemlich gut und wird, da es hier in der Schweiz nie einen Jürgen Trittin gegeben hat, noch in den guten, alten Dosen verkauft. Das Bier war aber nicht kalt, also habe ich mich auf den alten Indianertick mit dem kurzzeitigen Lagern im Tiefkühlfach besonnen. Ihr denkt, Ihr wisst jetzt schon, worauf die Sache hinausläuft? Abwarten!
Jedenfalls haben wir gequatscht, getrunken und uns alle nacheinander die Fingernägel rot lackiert, um als Obertussi-Crew oberüberheblich vorm Türsteher stehen und "Wir stehen auf der Gästeliste!" sagen zu können. Hat auch geklappt. Cooler Auftritt!! Wir hätten es uns ohne Gästeliste auch niemals leisten können: Dein Eintritt hätte 25 CHF gekostet!! An dieser Stelle noch einmal 1000-Dank, Mutz. Bist der Allerallerbeste, weeßte, ne?
So gegen 0 Uhr haben wir uns auf den Weg zum "Schiff" gemacht.
Ein Club und Restaurant direkt auf dem Rhein

Mutzens Kumpel hatte es echt drauf - ENDLICH ein überzeugender DJ. Es war wie zu Hause in Berlin. Keine peinlichen Pausen, keine doofen Übergänge. Ein Könner. Wir haben durchgetanzt, bis man uns um 4 Uhr (Überraschung!) rausgeschmissen hat, weil der Laden zumachen musste. Lea sagt, es gibt eine Polizei-Sperrstunde. Trotzdem ein merkwürdiges Gefühl, innerhalb von 3 Wochen zweimal die Letzten im Club zu sein! Na ja. Bilder gibt es dann später noch, wenn ich mit Anne Fotos getauscht habe.
Jedenfalls sind wir irgendwann nach Hause. Am nächsten Morgen war ich schon recht früh wach und hatte (Überraschung!) Hunger. Ich suchte also mein Brot, fand keines, erinnerte mich dunkel, dass ich vielleicht welches eingefroren hatte für genau diesen Fall, tappte zum Kühlschrank, öffnete das Tiefkühlfach und was lacht mich da an? Richtig - das restliche Bier von gestern Abend. Ich wollte es der Wiedertrinkbarkeit halber lieber in den Non-Frost-Teil des Kühlschrankes umdeponieren. Aber es war kalt, sehr kalt, so kalt das meine Fingerkuppen sich innert wenigster Sekündlis Erfrierungen zuzogen. Wat macht man, wenn's kalt ist? Richtig, Fingerchen in den Mund, wo es warm ist. Komisch, mein Finger schmeckte nach Bier. Noch von gestern Abend? Fand ich unwahrscheinlich, erst jetzt bemerkte ich den merkwürdigen Eisklumpen aus meinem Tiefkühlbrot. Sah ungefähr so aus:
Also, was haben wir gelernt? Eine Bierdose kann unter Umständen platzen im Tiefkühlfach und Bierschnee klingt zwar eklig, ist aber ekligerweise irgendwie lecker. Ich werde mich im Sommer mal nach einer Kugel Biereis erkundigen - ganz im Ernst.
Freundliche Grüße von Eurer deutschen Bierbotschafterin in der Schweizer Kulturhauptstadt


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