Wenn ich so schaue, wer sich im erlesenen Kreis meiner Blog-Leser befindet, dann waren fast alle mal für längere Zeit im Ausland. Ihr müsstet also das Gefühl kennen, das sich dabei irgendwann einstellt: Man bekommt Heimweh - Heimweh nach Deutschland. Man vermisst Dinge, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie vermissen würde:
Man vermisst zum Beispiel die deutsche Mentalität. Die hat man zwar eigentlich immer verflucht, aber man kennt sie und kommt im Grunde genommen gut mit ihr durchs Leben. Volkskundlerin Annika könnte uns das sicher auch wissenschaftlicher erklären... Andere Länder, andere Sitte, da muss man bei vielem erst einmal dahintersteigen und gegen manche Eigentümlichkeit sperrt sich vielleicht auch nach längerer Zeit immer noch alles. [Nur ein kleines Beispiel: Kein Völkchen nimmt es mit der Pünktlichkeit so genau wie die Deutschen - german punktlichkeit eben. Wenn also irgendwo in der Fremde nur die Zeitangaben "morgens", "mittags" und "abends" existieren, kann einen das ziemlich mürbe machen, selbst dann wenn man daheim nicht gerade als ausgesprochen pünktlich gilt.]
Man vermisst deutschen Komfort. [Alle bitte mal zwanzig Sekunden innehalten und an französische Steh-WCs, indonesische Hocktoiletten und finnische Plumpsklos am See (nicht übel nehmen, Haldis) denken!]
Man vermisst nach längerer Zeit auch deutsches Essen, egal wie gut italienische Pizza, Nasi Goreng, griechisches Gyros oder französischer Käse schmecken. Ich denke immer noch an die schmerzliche Zeit in Frankreich zurück, als ich zwei Monate lang auf Schwarzbrot verzichten musste und Mama mir zum Geburtstag ein Ein-Kilo-Schwarzbrot mitgebrachte, dass ich dann trocken und ohne alles in nur zwei Tagen genüsslich verputzt habe. Es mangelt aber auch an anderen deutschen Eigenheiten im Ausland, die man wohl kaum zu schätzen weiß, wenn man nicht aus Deutschland kommt: Salzgurken, Currywurst und Eintopf.
Man vermisst irgendwie auch die eigentlich öde Gegend in der man aufgewachsen ist. Sei es das Brandenburger Umland, die Hamburger oder die Dresdner Elbe, die Pfalz, das Erzgebirge, das schnöde Leipziger Land, was weiß ich. Ich persönlich habe in der Fremde oft gedacht: "...und es riecht nach Urin, wir sind die Ärzte - aus Berlin, AUS BERLIN". So ist es: Es stinkt, es ist objektiv betrachtet auch gar nicht so schön, aber es ist eben Heimat.
Ja, lange Rede, kurzer Sinn. Anne hat mich neulich auf dieses Gefühl angesprochen. Ich schaute sie ein bisschen verdutzt an (seit ich hier bin, hatte ich nämlich noch gar keine Deutschland-Mangelerscheinungen, das wurde mir just in dem Moment bewusst) und wollte ihr gerade ins Wort fallen, als sie mich darauf aufmerksam machte, dass es genau das sei, was sie mir sagen wollte. Überall vermisst man Deutschland - außer in der Schweiz. Das war die Pointe. Die Schweizer sind pünktlich und penibel UND TROTZDEM herrscht in den Straßen eine gewisse mediterane Leichtigkeit, es gibt hier Schwarzbrot UND tollen Käse, es gibt auch Landschaftlich eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann (außer vielleicht einem Meer - aber wer kommt schon vom Meer?) plus umwerfender Kulturstädte.
"So ist die Schweiz." haben Anne und ich uns angeschwärmt.
"Wie Deutschland" jubelten wir fast zeitgleich.
"Nur besser!" jetzt tatsächlich im Chor.
"Besser-Deutschland" ist seitdem unser Motto
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Ein kleines p.s. für alle, die noch nie in der Schweiz waren und sich dieses kleine Paradies nicht vorstellen können und für alle , die jetzt vielleicht denken, dass die Schweiz ein Verbrecherstaat ist, weil sie ihnen ihre Paula geklaut hat:
Ja, es ist wirklich so schön hier, kommt selbst vorbei und überzeugt Euch!!
Nein, ich werde nicht hierbleiben. So für eine gewisse Zeit ist es sicher nett, aber ich bin ein Heimatpflänzchen und meene Heimat stinkt nach Urin.
Man vermisst zum Beispiel die deutsche Mentalität. Die hat man zwar eigentlich immer verflucht, aber man kennt sie und kommt im Grunde genommen gut mit ihr durchs Leben. Volkskundlerin Annika könnte uns das sicher auch wissenschaftlicher erklären... Andere Länder, andere Sitte, da muss man bei vielem erst einmal dahintersteigen und gegen manche Eigentümlichkeit sperrt sich vielleicht auch nach längerer Zeit immer noch alles. [Nur ein kleines Beispiel: Kein Völkchen nimmt es mit der Pünktlichkeit so genau wie die Deutschen - german punktlichkeit eben. Wenn also irgendwo in der Fremde nur die Zeitangaben "morgens", "mittags" und "abends" existieren, kann einen das ziemlich mürbe machen, selbst dann wenn man daheim nicht gerade als ausgesprochen pünktlich gilt.]
Man vermisst deutschen Komfort. [Alle bitte mal zwanzig Sekunden innehalten und an französische Steh-WCs, indonesische Hocktoiletten und finnische Plumpsklos am See (nicht übel nehmen, Haldis) denken!]
Man vermisst nach längerer Zeit auch deutsches Essen, egal wie gut italienische Pizza, Nasi Goreng, griechisches Gyros oder französischer Käse schmecken. Ich denke immer noch an die schmerzliche Zeit in Frankreich zurück, als ich zwei Monate lang auf Schwarzbrot verzichten musste und Mama mir zum Geburtstag ein Ein-Kilo-Schwarzbrot mitgebrachte, dass ich dann trocken und ohne alles in nur zwei Tagen genüsslich verputzt habe. Es mangelt aber auch an anderen deutschen Eigenheiten im Ausland, die man wohl kaum zu schätzen weiß, wenn man nicht aus Deutschland kommt: Salzgurken, Currywurst und Eintopf.
Man vermisst irgendwie auch die eigentlich öde Gegend in der man aufgewachsen ist. Sei es das Brandenburger Umland, die Hamburger oder die Dresdner Elbe, die Pfalz, das Erzgebirge, das schnöde Leipziger Land, was weiß ich. Ich persönlich habe in der Fremde oft gedacht: "...und es riecht nach Urin, wir sind die Ärzte - aus Berlin, AUS BERLIN". So ist es: Es stinkt, es ist objektiv betrachtet auch gar nicht so schön, aber es ist eben Heimat.
Ja, lange Rede, kurzer Sinn. Anne hat mich neulich auf dieses Gefühl angesprochen. Ich schaute sie ein bisschen verdutzt an (seit ich hier bin, hatte ich nämlich noch gar keine Deutschland-Mangelerscheinungen, das wurde mir just in dem Moment bewusst) und wollte ihr gerade ins Wort fallen, als sie mich darauf aufmerksam machte, dass es genau das sei, was sie mir sagen wollte. Überall vermisst man Deutschland - außer in der Schweiz. Das war die Pointe. Die Schweizer sind pünktlich und penibel UND TROTZDEM herrscht in den Straßen eine gewisse mediterane Leichtigkeit, es gibt hier Schwarzbrot UND tollen Käse, es gibt auch Landschaftlich eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann (außer vielleicht einem Meer - aber wer kommt schon vom Meer?) plus umwerfender Kulturstädte.
"So ist die Schweiz." haben Anne und ich uns angeschwärmt.
"Wie Deutschland" jubelten wir fast zeitgleich.
"Nur besser!" jetzt tatsächlich im Chor.
"Besser-Deutschland" ist seitdem unser Motto
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Ein kleines p.s. für alle, die noch nie in der Schweiz waren und sich dieses kleine Paradies nicht vorstellen können und für alle , die jetzt vielleicht denken, dass die Schweiz ein Verbrecherstaat ist, weil sie ihnen ihre Paula geklaut hat:
Ja, es ist wirklich so schön hier, kommt selbst vorbei und überzeugt Euch!!
Nein, ich werde nicht hierbleiben. So für eine gewisse Zeit ist es sicher nett, aber ich bin ein Heimatpflänzchen und meene Heimat stinkt nach Urin.
Meistens ist es immer die gleiche Lebensfrage.
AntwortenLöschenSollen mich die Mark-Brandenburg, die Pfalz, die Elblandschaften, das Erzgebirge, das schnöde Leipziger Umland beglücken?
Oder besteht das Glück darin, daß ich zu eben diesem Zeitpunkt gerade dort bin um das Glück zu treffen. Ich habe nicht gewartet in
schmachtender Verzehrung, sondern habe mich auf den Weg gemacht und den Treffpunkt in mir beschrieben. Dann kam schon der erste Hauch
eines Windes mit dem Geruch von Jod und Brack. Es war kurz nach der Lüneburger Heide. Ich habe die Fenster des Autos heruntergedreht um
eine Überdosis zu erriechen. Überwältigt habe ich dem Wind meine Liebegrüße im Voraus gegeben und meine Ankunft in Bälde mitgeteilt.
Zwischen Hamburg und Lübeck bekam ich Zweifel bezüglich des Treffens. Als ich dann auf der A20 den Elbe-Lübeck-Kanal querte und die Farbe des nahen Brack erahnen konnte, war es wieder egal welche Launen die Wellen haben werden, ob die Sonne schon gesunken ist, ob sich Strandgut wie im Kunstraum zu Ruhe gelegt hat, ob sich heimlich das letzte kleine Schiff am Horizont entzieht und ob der Wind das Streicheln nicht vergißt.
...angekommen, Nieselwetter, Sonne weg und dafür Nebel. Der Wind peitscht mir ins Gesicht. Schiffe auch alle weg, vielleicht auch untergegangen.
Es war total geil.
Wir sind liebend zusammen gegangen. Wieder ein ganzes Wegstück und haben uns verabredet, frei. Vielleicht finden wir wieder einen Treffpunkt.
Irgendwann.
Wollte rückreisend unbedingt die neue A38 einmal befahren und bin deshalb an dem neuen Chemiewerk in Leuna vorbeigekommen. Nachts. Es lag da wie ein Raumschiff auf einer Ebene. Auch wir haben uns wieder verabredet.
Da aber das Meer das majoritative Element auf diesem Planeten ist, war es beim Treffen am Cape Of Good Hope fast wie in Kühlungsborn. Fast.
...aber wer kommt schon vom Meer.
Recht hast Du, die Salzgurken, der Rollmops und die frisch geräucherten Sprotten und ach die Sprache, mit der ich die geheimsten Dinge in zerbrechlichen Silben aus der hintersten Kammer
meines Herzen beschreiben könnte.
Viele liebe Grüße nach Basel und laß es Dir gut gehen.
Kein Heimweh, es fehlt nichts von den alten guten Gewohnheiten, nichts von den liebgewonnenen Leckerein, alles ist gut und doch ist da eine Erinnerung. Erst, wenn man wieder zu Hause ist, der Geruch, das Licht, der Bus, der nur ein mal in der Stunde fährt, genau das ist es. Berlin freut sich auf Dich.
AntwortenLöschenmy god, i'm deeply impressed. ich habe wahre poeten unter meinen bloglesern. vielen lieben dank für diese kreative bereicherung des blogs. genau dieses gefühl meinte ich. aber schreiben konntest du ja schon immer... sei ganz lieb gegrüßt, lass auch du es dir gut gehen und ich hoffe, in berlin bricht bald der frühling aus. paula
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