Montag, 23. März 2009

1. Baselexpedition mit Paul: Kalt aber schön

Das gemeinsame Wochenende mit Paul sollte am Donnerstag, den 19. März 2009 am Flughafen beginnen. 16:45 Uhr flugplante der Flieger zu landen. Vorsichtshalber war ich schon um 16:30 Uhr am "Euroairport", ist ja irgendwie blöd, sich im Dreiländer-Bermudadreieck zu verpassen. Außerdem hatte ich es munkeln hören, dass die Flugzeuge manchmal zu früh da sind, weil es ein durchschnittlicher Pilot nur etwa eine Stunde ohne Pinkelpause aushält. Wie dem auch sei. 16:39 Uhr sei die Maschine gelandet, verriet mir die Anzeigetafel. Aber von Paul war nix zu sehen. Ich war schon ziemlich entmutigt und hockte bestelltundnichtabgeholt auf einer Bank, als ich den Liebsten dann doch erblickte, allerdings hinter einer dicken Glasscheibe. Diese Glasscheibe entpuppte sich als schweizerisch-französische Grenze. Mon cher ami hatte selbstbewusst den EU-Ausgang gewählt. Eine umständliche Fahrstuhlfahrt später hatten wir uns dann aber gefunden und konnten uns in den Bus begeben und gemeinsam meine erste Rush-Hour in Basel erleben. [Ich hätte wirklich nie gedacht, dass es hier jemals Stau gibt.]

Nach einem ausführlichen Essen, das mit den zwei aus Frankreich mitgebrachten und bis zu diesem ehrwürdigen Moment aufgesparten köstlichen Pistaziendesserts abschloss, machten wir uns auf zu einem kleinen Nachtspaziergang durch Basel und Pauls erster Eindruck fiel positiv aus, wenn er nicht geflunkert hat.

Am Freitag, den 20. März 2009 musste ich früh in die Uni und Paul durfte ausschlafen. Ein strukturelle Ungerechtigkeit, aber was will man machen. Mutti will ja später mal mindestens so viel Geld verdienen als Vati. Jedenfalls haben wir uns danach zu einem zweiten Stadtspaziergang durch Basel aufgemacht, diesmal im Hellen und mit klirrend kaltem Nordwind... Ausgerechnet unser erster gemeinsamer Tag in Basel war so kalt wie kein einziger der letzten drei Wochen!! Aber die Fotos sind trotzdem nett geworden:

Bis jetzt war ich noch mit keiner der Basler Fähren gefahren,
darum beschlossen wir, den Weg zum Münster per Boot zurückzulegen.

Und tatsächlich ist die Aussicht vom Wasser noch viel, viel schöner
als vom Ufer aus. Liegt ja vielleicht auch in der Natur der Sache, wenn...

... das alte Wassersportveteranenpärchen unterwegs ist
(rechts sehen Sie "Motormann" und links "Motörchenfrau")

Und ein weiteres Aussichtsbild, diesmal vom Münster aus geschossen. Um 180 Grad
gedreht hätte man auf ein meterhohes Aggro-Berlin-Graffiti sehen können.

Die Orgel des Münsters (für Haldis fotographiert)

Paul, Physiker der Herzen, hat mich auf die Fastgenauigkeit der Sonnenuhr und die jahreszeitenbedingte Abweichung aufmerksam gemacht. Wäre mir von selbst natürlich nie aufgefallen.

Hier wollte Paul die Gässchenhaftigkeit Basels dokumentieren und bat zur lebendigen,
naturgetreuen Darstellung seine rhein-wind-zerzauste Freundin mit ins Bild.

Da ich extra für meinen hoffentlich noch zahlreich aufkreuzenden Besuch an einer Stadtführung teilgenommen hatte, kannte ich auch den Insider-Fahrstuhl, der einen auf den Rathausbalkon befördert und einem diese herrliche Aussicht erlaubt.

Blick in den Rathaushof

Eine besonders herzige (Helvetismus für niedlich) Regenrinne mit Fischantlitz

Ein alter Baum, den ich für Papa fotographiert hab.

Eine weitere Spezialität gekostet. Prädikat: ein bisschen trocken, aber ok.

Hier haben wir uns vor dem Historischen Museum niedergelassen, das sich im Gebäude einer alten Franziskanerkirche befindet, um unsere tiefgefrorenen Gliedmaßen in der Sonne wiederaufzuwärmen und ein bisschen heißen Tee zu genießen. Irgendwann wurden wir aber von den Restaurantinhabern und Stulbesitzern mit der ausgesuchten Schweizer Höflichkeit zum Gehen aufgefordert.

Unglaublich, aber immer noch wahr. Mit Paul hatte ich endlich einen angemessenen Staune-
partner ob des abgefahrensten Namens für eine Bierhalle: Zum braunen Mutz ! ! !

Keine Ahnung was das Trojanische Pferd hier zu suchen hat,
vielleicht wohnt ja Bill Gates in der Schweiz, wer weiß...

Unser Stadtspaziergang endete jedenfalls irgendwann wegen totaler Durchgefrorenheit. Abends waren wir mit Anne, Pia und Annika in Annikas Wohnheim zum Kochen verabredet.

Die Köchin ist bester Laune ob des schon einmal gut aussehenden
und sich als köstlich herausstellenden Mahls.

Paul genießt stilecht ein Budweis zum Essen. Es gibt süß-sauere Gemüse-Poulet(Helvetismus für Hühnchen)-Pfanne mit Reis. "Lekkcher" wie der Schweizer vielleicht sagen würde.

Die Sensation des Abends fand sich dann aber in Pias Wohnheim. Zwei ihrer Mitbewohner
hatten sich zu uns gesellt und Martin präsentierte voller Stolz ein echtes Duff-Bier.

I was deeply impressed.

Auch Anne fotographierte begeistert die Rarität, während Annika sich mit Lucas aus Kalifornien unterhielt, Theologiestudent im fortgeschrittenen Stadium, spricht unfassbar gut Deutsch und ist wirklich ein grundsympathischer Zeitgenosse.

1 Kommentar:

  1. Also man muss ja sagen, Deine Bilder und Deine Kommentare und Einblicke in Deinen Aufenthalt in Basel macht diese Stadt mir wahnsinnig sympathisch. Ich kenne einen Baseler übrigens, Rolf studierte hier in Finnland mit mir Musiktherapie, war mit einer finnsichen frau verheiratet, aber hatte irgendwie keinen Bock mehr hier zu wohnen, kann sein, daass er wieder in Basel zu Hause ist. Er selbst ist antrhoposophisch eingestellt.

    Ja, dieser Nordwind, der ist schrecklich, wir haben den öfterm den der Norden ist so nahe für uns...(hahahahahaaaaaaaaaaa).
    Danke für die Orgel-Bemerkung. Habe leider nicht mehr Orgel seit bainahe 20 Jahren gespielt. So ist das wenn man älter wird, und sich nicht mal mehr über so was wundert. Dein Ausblick in die "ältere Dame Pauline", war eine Erinnerung an diese Woche, denn wenn man älter wird hat kommen einem die Gelenke usw. immer mehr zum Bewusstsein, und diese Woche habe ich mich jedenfalls nach dieser Schneetortur 30 JAhre älter gefült, so ist Dein Ausblicks-bild ein guter Trost!!!
    Haldis

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